Augen auf im Straßenverkehr

Semana Santa

Posted in granada by ktfall on 29 März 2010

Heute zum Palmsonntag sind die Straßen voller Menschen. Die Karwoche hat begonnen. Eine lange Prozession schiebt sich durch die Stadt. Weihrauch liegt schwer in der Luft, das Orchester spielt herzzerreißend traurige Melodien.

Büßer

Mitglieder einer Hermandad

Musiker

Eine Marienstatue zieht an uns vorüber, in unschuldigem Weiß, unsichtbar getragen von Männern unter dem Podest, auf dem sie sitzt. Immer wieder pausiert die Prozession, damit die Träger sich ausruhen können.

Maria in Begleitung

Maria in weiß

Marias Thron

In den nächsten sieben Tagen finden verschiedene und besondere Prozessionen an den unterschiedlichen Tagen der Karwoche statt. Mein Mittwoch Abend ist schon verplant: Wir werden uns eine Prozession von Zigeunern im verwinkelten Albaycín ansehen. Ich werde berichten.

La vida en Casa Cuchilleros Teil Zwei

Posted in granada by ktfall on 19 März 2010
Cena internacional – Internationales Abendessen

Wir hatten im Haus immer wieder davon gesprochen – bei so vielen unterschiedlichen Nationalitäten müssten wir mal ein internationales Abendessen veranstalten. Gestern abend war dann der auserwählte Abend – allerdings waren nur drei der vielen Nationen vertreten, die hier wohnen: Italien, Portugal und Deutschland. Kayo, unsere Japanerin, die großartiges Sushi kocht, und Karol, eine unserer Finninen, die auch sehr gerne und gut kocht, waren am Nachmittag übers Wochenende nach Valencia gefahren. Wir mussten also auf die exotischeren Länder verzichten. Vielfältig waren die Gerichte trotzdem: Die sechs Italiener steuerten Polpette (leckere Hackfleischbällchen), eine sizilianische Linsensuppe und natürlich original italienische Lasagne bei, von den drei Portugiesinnen wurden wir mit Caldeirada, einem typischen Kartoffel-Möhren-Zwiebel-Eintopf bewirtet, und ich habe Bratkartoffeln und die legendären Igelwürstchen meiner Mutter gemacht.

Typisch spanisch – und wohl auch typisch italienisch – fand das Ganze natürlich gegen Mitternacht statt: Gegen neun waren alle vom Supermarkt zurück, voll bepackte Plastiktüten in jeder Hand. Das große Kochen in den kleinen (manchmal zu kleinen) Küchen ging erst gegen zehn los – ich war natürlich zu der Zeit schon fast fertig. So konnte ich allen Anderen beim Braten und Umrühren zusehen und mir Zutaten und Zubereitung erklären lassen. Kurz vor Mitternacht standen dann endlich alle Gerichte – bis auf die Lasagne, die kam als umjubelter Hauptgang – auf dem Tisch und wir drängelten uns zu zehnt um den ebenfalls zu kleinen Tisch in einer der Wohnungen, um auch ja von jedem Essen etwas probieren zu können.

Eine Stunde später waren wir alle satt und zufrieden und die Töpfe leer. Die Weinflaschen wurden herumgereicht, spanische, portugiesische und italienische Unterhaltungen schwirrten durch den Raum und das nächste  Abendessen wurde schon geplant. Diesmal aber mit Nachtisch.

La vida en Casa Cuchilleros Teil Eins

Posted in granada by ktfall on 19 März 2010

Der Frühling ist da.

Seit Dienstag hat die Sonne endlich einen Weg an den Wolken vorbei gefunden und prasselt mit aller Kraft auf die Stadt nieder. Sofort werden die kurzen Hosen und Röcke ausgepackt und die Schals und dicken Jacken verschwinden aus dem Straßenbild. Nachmittags brummt das Geschäft der vielen, kleinen Cafés auf den Plazas und mich reizt es, unten an der Straßenecke ein Eis zu kaufen.

Auf unserer Terrasse werden die Sitzplätze knapp – alle nehmen ihr Mittagessen mit nach oben und genießen die Sonne. Nach wochenlangem Regen, wolkenverhangenem Himmel und untypisch niedrigen Temperaturen können wir gar nicht genug bekommen von der Wärme und guten Laune, die dieses Wetter verbreitet. Aus der italienischen Etage hört man fröhliches Pfeifen, sogar ein O sole mio klingt aus einem der weit geöffneten Fenster.

Nach vier Stunden auf der Terrasse genieße ich die Kühle im Haus, die mir entgegen kommt, wenn ich die Treppen hinunter zu meiner Wohnung gehe. Willkommen, Frühling.

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Studentenleben

Posted in granada by ktfall on 13 März 2010

Granada ist eine Stadt voller Studenten, nicht nur aus Spanien, sondern aus allen Ecken der Welt. Ich gehöre jetzt auch dazu. Von Montag bis Donnerstag mache ich mich jeden Tag auf zum Campus – meistens sogar zweimal: vormittags und nachmittags. Entweder nehme ich den Bus – zum Beispiel, wenn es wie in den letzten zwei Wochen regnet  - oder ich laufe, was fast in sportliche Betätigung ausartet, denn der Campus liegt oberhalb der Stadt auf einem Hügel. Alle nennen den Campus nur La Cartuja, nach dem Kartäuser-Kloster El Monasterio de Nuestra Señora de la Asunción, das hier im feinsten spanischen Barockstil erbaut wurde. Drin war ich noch nicht, aber mir zuckt jedes Mal der Finger am Auslöser der Kamera, wenn ich daran vorbei fahre oder laufe.

Monasterio La Cartuja

Leider ist das Kloster fast das einzige schöne Gebäude auf dem Campus. Bis auf das Colegio Máximo –  ursprünglich ein Novizenkolleg, wo ich auch ein paar Vorlesungen habe –  sind alle anderen Fakultäten graue, unförmige Klötze, die sich auch noch zum Verwechseln ähnlich sehen. Da haben es die Juristen und Mediziner schon besser: Ihre Fakultäten befinden sich erstens unten in der Stadt in angenehmer Laufweite und zweitens in alten, schönen und ursprünglichen Universitätsgebäuden. Wir Deutschen dürfen uns übrigens ein wenig beteiligt fühlen an der Gründung der Universität von Granada: Karl V. – seines Zeichens Enkel von Ferdinand und Isabella, den sogenannten Katholischen Königen, und von Maximilian I., Habsburger und römisch-deutscher Kaiser – hat als spanischer und deutscher König und Kaiser seine schützende Hand über die Neugründung von 1531 gehalten. Die Spanier hatten nämlich bei ihrer Reconquista die alte maurische Universität von 1349 (!) zum Rathaus umfunktioniert und alle Bücher der Bibliothek verbrannt. Das Gebäude steht zum Glück noch. Heute beherbergt es die Real Academia de Bellas Artes de Nuestra Señora de las Angustias.

Da ich aber weder Medizin noch Juristerei studiere, heißt es für mich montags bis donnerstags: Me voy a La Cartuja. Eine halbe Stunde brauche ich von meiner Wohnung – egal, ob mit Bus oder zu Fuß. Na gut, mit dem Bus sind es vielleicht zwanzig Minuten insgesamt. Mit dem Bus bezahle ich allerdings für jede Fahrt ungefähr 50 Cent – unabhängig davon, wie weit ich fahre. Es gibt keine Monatskarte, geschweige denn ein Semesterticket. Jeder, der häufiger Bus fährt, hat eine aufladbare Plastikkarte und hält sie beim Einsteigen an ein kleines Gerät neben der Fahrerkabine. Es piept, die Kosten für die Fahrt werden abgezogen und man sieht, wie viel Geld noch auf der Karte ist.

Acerque su tarjeta - Bitte Karte dranhalten

Diese Stadt ist allerdings so klein, dass man sehr viel zu Fuß erreichen kann. Und manches eben auch nur zu Fuß – wie zum Beispiel das Viertel Albaicín mit seinen kleinen, steilen Gassen mit Stufen und Kopfsteinpflaster. Für Touristen und Neuankömmlinge ist es das reinste Labyrinth. Aber ein wunderschönes. Je höher man kommt, desto schöner wird die Aussicht. Hier steht auch das bekannteste Erasmus-WG-Haus der Stadt – Casa Tiña. Obwohl ich schon zweimal da war, würde ich es allein nicht wiederfinden. So versteckt es liegt, ist es doch sehr spanisch und noch mehr maurisch: ein großer Innenhof mit einer Galerie, von der die vielen Zimmer abgehen, Säulen, viel Holz und ein Deckenfresko im Treppenaufgang. Dagegen wirkt mein Haus, Casa Cuchilleros, wie der reinste Neubau, obwohl es auch im 16. Jahrhundert erbaut worden ist. Leider sieht man davon nicht mehr viel – der Eigentümer scheint kein Restaurationsenthusiast zu sein.

Meine Mitbewohner machen aber alles, was mir an architektonischer Nostalgie fehlt, mit ihrer offenen Art wieder wett. Es fühlt sich auch schon nach zwei Wochen ein bisschen wie zu Hause und Familie an. Das mag an den vielen Italienern liegen, die hier wohnen – sieben von insgesamt 17 Hausbewohnern kommen aus Italien. Dementsprechend wird am Ende meines Aufenthalts hier in Granada mein Italienisch wahrscheinlich nicht mehr nur aus Buon Giorno, Grazie und Scusi bestehen.

Zum Abschluss zwei meiner Lieblings-Gitarren-Stücke: zuerst eine Ode an die Stadt Granada von Isaac Albéniz (den Anfang seines bekannten Stücks Asturias kennt jeder Doors-Fan aus dem Song Spanish Caravan):

Als zweites eines meiner Lieblingsstücke von Paco de Lucía, dem Maestro des Flamenco – ein Lied, was ich hier in den Straßen schon oft gehört habe und das einige vielleicht wieder erkennen, die den letzten Woody Allen-Film Vicky Cristina Barcelona gesehen haben. Hier in einer Duett-Variante:

Eine Woche Granada

Posted in granada by ktfall on 4 März 2010

Sieben Tage können so kurz sein, die Zeit verging wie im Flug. Es schwirren so viele Eindrücke und Bilder durch meinen Kopf, ich weiß gar nicht, wo anfangen. So viele fremde Menschen, die nach so kurzer Zeit überhaupt nicht mehr fremd scheinen. Eine Stadt, die mich jeden Tag mit der Kamera nach draußen zieht, um ihre kleinen Gassen und großen Plätze zu fotografieren. Und nicht zuletzt die Sprache und die Musik, die durch die Straßen klingen und mir so vertraut und gleichzeitig so fremd sind.

Dale limosna, mijer... Brunnen auf der Plaza Bib-Rambla Portal der Kathedrale Die Alhambra, vom Mirador San Nicolas

Einer meiner Lieblingsplätze ist die Plaza Nueva, zehn Schritte von meiner Wohnung entfernt. Sobald sich die Sonne zeigt, tobt hier das Leben. Familien gehen mit ihren Kindern spazieren, alte Freunde treffen sich auf einen Kaffee in einem der Restaurants mit Freisitz, Straßenmusiker spielen Gitarre – Flamenco, was sonst – und immer wieder erkennt man Touristen. Auch an Wochentagen herrscht hier eine Atmosphäre, als wäre es Samstag oder Sonntag.

Plaza Nueva Flamenco auf der Plaza Nueva

Aber die Sonne lässt auf sich warten. Wie auch überall sonst in Europa regnet es hier fast jeden Tag. Meine Wäsche auf der Terrasse wird wohl noch ein paar Tage dort hängen bleiben müssen, um trocken zu werden. Meinen Regenschirm habe ich aus Protest in Deutschland gelassen, jetzt bereue ich es. Ich werde wohl an der nächsten Straßenecke von einem der vielen Afrikaner einen neuen Schirm kaufen müssen. Am besten einen Stockschirm, mit Pseudo-Burberry-Muster.

Stil, auch bei schlechtem Wetter – so sind sie, die Spanier. Gegenüber den spanischen Frauen fühle ich mich permanent underdressed. Es scheint ihnen ein inneres Bedürfnis und vor allem ein natürliches Talent zu sein, gut angezogen durch die Straßen Granadas zu spazieren. Dabei habe ich ab und zu noch Schwierigkeiten, all die dunkelhaarigen Schönheiten voneinander zu unterscheiden – für mich als Deutsche sehen sie einfach alle ein bisschen gleich aus. Aber das wird sich in den fünf Monaten, die ich hier sein werde, mit großer Wahrscheinlichkeit ändern.

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