Geburtstag am Meer
Eine weiße Stadt auf einem Hügel, bewacht von einer verfallenen maurischen Festung und das Meer in Reichweite. Salobreña. Die Straßen sind eng, kurvig und steil. Hinter jeder Biegung wartet ein anderer Anblick – blumengeschmückte Balkone, gußeiserne Tore, Marienbilder, verfallene Häuser. Und sehr wenige Menschen. Die Jalousien sind herunter gelassen, die Türen geschlossen, es ist heiß. Fast gespenstisch wirkt die Stille.
Nach um sieben, als der Himmel sich bewölkt und die Hitze abnimmt, kehrt das Leben zurück. Das Café hallt wider von den lauten Unterhaltungen, vorbeifahrende Autos grüßen mit der Hupe, die Lautsprecher übertragen einen Stierkampf. Ich genieße meinen cortado und das knusprige Brot mit Schinken aus der Region.
Meine Füße standen heute im Mittelmeer. Besser geht’s nicht.
Nachtrag: Semana Santa
Die Stadt ist zum normalen Leben zurück gekehrt und hat ihre Ruhe wieder. Keine Prozessionen mehr, die stundenlang die Straßen blockieren. Keine Trommeln mehr, die mich bis in die Träume verfolgen. Soviel zu den negativen Seiten der Karwoche hier in Granada. Allerdings kann ich nicht leugnen, wie sehr mich der Anblick dieser Prozessionen beeindruckt hat. Und nicht nur die Prozessionen an sich – vor allem die offene Emotionalität, die spontane Begeisterung, die die Menschen auf der Straße ausstrahlten. Für mich als Deutsche, aufgewachsen in der Tradition von Rationalität und Selbstbeherrschung, zeigt diese Atmosphäre eine mögliche Seite des öffentlichen Lebens, wie ich es zu Hause in Deutschland selten erlebe. Und wenn es solche Momente gab, dann hatten sie für mich meist einen Beiklang von zuviel Übermut. Hier in Spanien ist diese Atmosphäre von Emotion und Spontaneität aber so alltäglich, so angenehm in ihrem Niveau, dass ich mich gerne anstecken lasse. Ich werde das Gefühl nicht los, dass dieser Aspekt des Lebens in Spanien mir nach der Rückkehr nach Hause sehr fehlen wird.
Die versprochene Zigeuner-Prozession musste ich leider ausfallen lassen – ich hatte mir den Magen verdorben. Die anderen Prozessionen, die ich noch gesehen habe, waren wunderschön, beeindruckend, jede für sich besonders. An den letzten Tagen habe ich dann die Kamera zu Hause gelassen und einfach den Anblick und das Ambiente genossen.
Für euch habe ich hier einige Bilder zusammengestellt, die ein bisschen die Besonderheiten und die Atmosphäre einfangen. Live und in Farbe ist es natürlich wesentlich beeindruckender. Nächstes Jahr fahre ich vielleicht nach Sevilla zur Semana Santa. Wer kommt mit?













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