Augen auf im Straßenverkehr

Besuch aus Deutschland

Posted in granada by ktfall on 26 Mai 2010

Vorletztes Wochenende, genauer gesagt von Donnerstag bis Montag, war meine liebe Freundin Franzi aus Dresden bei mir zu Besuch. Natürlich waren fünf Tage viel zu kurz, um ihr all die schönen Seiten von Granada zu zeigen, die ich in den letzten drei Monaten hier entdeckt habe. Für sie war es nicht so einfach, Urlaub zu bekommen. Umso froher war ich, als wir uns am Flughafen endlich wieder in den Arm nehmen und in die Augen sehen konnten.

Am Abend tauschten wir bei einem Glas Wein alle Neuigkeiten und Entwicklungen aus, die sich in meiner Abwesenheit angesammelt hatten. Der Freitag war reserviert für eine Erkundungstour zu Fuß durch die Stadt. Wir genossen den Charme der kleinen Gassen, der grünen Plätze, die immer wieder unverhofft auftauchen, und die vielen kleinen und großen Läden, in die es uns hineinzog.

Den Freitag Abend verbrachten wir im klassisch-spanischen Stil: wir zogen von einer Bar zur nächsten, um die verschiedensten Sorten von tapas zu probieren. In unserer vierten und letzten Bar lächelten wir dem Barkeeper ein entschuldigendes „Nada, gracias“ zu, als er fragte, welche Tapas wir zu unserem Wein respektive Bier wollten: wir waren satt.

Am Samstag wartete ein kleines Abenteuer auf uns: Wir hatten ein Auto gemietet und wollten ein bisschen die Gegend erkunden. Der spanische Verkehr ist für die meisten Deutschen eine Herausforderung – Regeln sehen die Spanier nur als Orientierung. Wenn man sich aber an diese laxe und spontane Art gewöhnt hat, macht es richtig Spaß.

Wir fuhren also hinaus aus Granada und hinein in die Berge, Las Alpujarras, wo wir die weißen Dörfer sehen und den besten Schinken der Welt probieren wollten. Zum Glück erreichten wir Trevélez, das höchstgelegene Dorf Andalusiens, am Fuße des Mulhacén, des höchsten Bergs auf spanischem Festland, noch vor der Siesta und konnten für unser geplantes Picknick den legendären jamón serrano in einer der vielen Fleischereien kaufen. Diese Pause war auch bitter nötig: Nach Trevélez gelangt man nur über schmale Straßen mit jeder Menge Serpentinen. Unsere Mägen waren schon reichlich hin- und hergeschaukelt worden, und so langsam taten mir die Arme weh vom ewigen nach rechts und nach links Lenken.

Nach den Bergen stand das Meer auf unserem Programm, die Kombination der in Andalusien ewig präsenten Gegensätze. Wir suchten frisch gestärkt unseren Weg durch die Alpujarras, wieder über Serpentinen, die nicht enden wollten, und ohne Karte. Nachdem wir schon glaubten, wir führen in die vollkommen falsche Richtung, öffneten sich endlich vor unseren Augen die Berghänge und wir sahen flaches Land. Das freudige Lächeln blieb uns allerdings gleich wieder im Hals stecken: Die ganze Bucht, so weit unsere Augen reichten, war voller weißer Plastikplanen. Gewächshäuser. Überall. Es war kein Baum, kein Busch, keine Vegetation zu sehen. Nicht umsonst nennen die Spanier diese Region um Almería die Costa del Plástico.

Wir bogen auf die Schnellstraße nach Almería ab und versuchten, unsere Enttäuschung zu zügeln. So hatten wir uns das Mittelmeer nicht vorgestellt. Je weiter wir die Bucht hinter uns ließen, desto mehr Vorfreude kam allerdings in uns auf: Das Meer war die ganze Fahrt über zu unserer Rechten, in Greifnähe fuhren wir auf Klippen an ihm entlang. Wir stellten das Auto auf den ersten strandnahen Parkplatz, den wir in Almería fanden, und machten uns auf den Weg hinunter zum Strand.

Da war es, das hellblaue, rauschende Wasser mit leichten, weißen Gischtkronen, das sich bis zum Horizont ausdehnte. Ich glaube, wir sahen beide leicht dümmlich aus, wie wir da mit unserem breiten Grinsen an der Promenade standen und übers Meer schauten. Wir zogen die Schuhe aus und wanderten am Wasser entlang. Es war noch ganz schön kalt, obwohl die Lufttemperatur über 25 Grad lag. Nur Wenige trauten sich ins Meer, und wenn, dann kamen sie meist schnell wieder raus. Wir konnten uns kaum satt sehen an den Wellen und dem Blau und der Weite.

Zum Abschied tranken wir noch einen cortado auf dem Platz vor der Kathedrale, wo viele Kinder spielten, anscheinend nach einer Kommunion; und die sieben jungen Deutschen neben uns versuchten, unsere offensichtlich gemeinsame Sprache zu ignorieren.

Auf dem Rückweg ließen wir das Meer nicht aus den Augen. Anderthalb Stunden, von Almería bis Motril, begleitete es unseren Weg.

Sonntag war der Tag der Alhambra. Unsere magische Uhrzeit war abends um sieben: Das war der Zeitpunkt, wann wir in den Nasridenpalast durften. Da das Gelände der Alhambra fünf Minuten zu Fuß von meiner Wohnung entfernt ist, machten wir uns erst gegen um fünf auf den Weg. So blieb uns genug Zeit, den wunderbaren Garten Generalife, die Alcazaba und die hier und da verstreuten architektonischen Kostbarkeiten zu genießen, bis wir uns in die lange Schlange der wartenden Touristen einreihten.

Für mich war es das zweite Mal, dass ich den Palast der Nasriden von innen sehen durfte. Beeindruckt war ich mindestens genauso, wenn nicht sogar mehr als vor vier Jahren, als ich mit meinen Eltern und meiner jüngeren Schwester hier war. Diese Art zu Häuser zu bauen, Wände zu verzieren und Höfe zu gestalten wird für mich einfach nie langweilig.

Auch unten in der Stadt sieht man noch viel von dieser Architektur. Manchmal muss man zwar ein bisschen suchen hinter all den schweren, katholischen, prunkvollen Fassaden, aber es eröffnet sich immer wieder ein Blick in einen grünen Innenhof mit einem Springbrunnen in der Mitte.

Franzi, es war schön, dass du da warst! Es fühlte sich sehr gut an, jemanden aus meinem eigentlichen Zuhause hier in dieser Stadt zu haben, in der ich mich so wohl fühle.

Wer kommt als nächstes auf ein paar Tage vorbei?

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