Verabredungen
Es klingt seltsam in meinen Ohren, wenn ich mich “auf ‘ne Cola oder so” verabrede, und kommt mir dementprechend schwer über die Lippen. “Ein Bier oder einen Wein” impliziert sofort eine gewisse Atmosphäre, man spürt so ungefähr, was einen erwartet. Aber eine Cola? Was soll das denn für ein Abend werden? Normalerweise trinke ich Cola nur, wenn ich das Koffein brauche, ebenso wie bei Kaffee. Mein Körper gewöhnt sich zu schnell an solche Pusher. Als Option zum Alkohol bietet Cola für mich vor allem abends so seine Vorteile – der viele Zucker lässt mich durchhalten, was normalerweise der Alkoholpegel übernimmt.
Dementsprechend entdecke ich die Bandbreite der nichtalkoholischen Getränke – alle möglichen Frucht-Kombinationen aus dem Hause Bionade, verschiedenste Fruchtsäfte, die ich sonst meistens überspringe und statt Cola (wenn ich sie grad nicht brauche) auch gern mal eine Apfelschorle bestelle. Wegen der Ähnlichkeit zu einem kühlen Bier? Mag sein. Hier möchte ich überdeutlich das Wort ‘hineininterpretieren’ anbringen.
PS: Wie enttäuscht sind eigentlich die Freunde, wenn man sich mit ihnen auf ein Bier oder einen Wein verabredet und sie dann alleine Alkohol trinken lässt? Und sie im schlimmsten Fall alleine betrunken werden? Und man nüchtern daneben steht und sich fragt: Was zur Hölle macht ihr da eigentlich?
Die erste Woche ohne.
Sieben Tage ohne Alkohol ist ja noch nicht viel. Gelegenheiten zu trinken gab es natürlich genügend. Ich habe sie ohne Probleme ausgeschlagen, das Bedürfnis nach dem leichten Rauschgefühl scheint bei mir gerade nicht sehr stark zu sein. Es fühlt sich gut an, wie ‘normal’ ein Abend mit Freunden auch ohne Bier oder Wein sein kann. Auch wenn alle um mich herum trinken. Am Montag abend bekam ich auf meine Absage zum angebotenen Bier sogar schon den klassischen Kommentar: ‘Schwanger?’ zu hören. Es ist erstaunlich, wie ungewöhnlich es für viele scheint, wenn jemand in der Runde mal keinen Alkohol trinkt. Die F.A.Z. hat sich letztens auch mit dem Thema Alkohol in der Gesellschaft befasst. Zitat: Wie wäre es denn, wenn jemandem, der „nein, danke“ sagt, nicht mehr automatisch unterstellt würde, dass er alkoholkrank, eine schwangere Frau oder Islamist ist?
Wenn ich momentan “nein, danke” sage, fällt es meinen Freunden sofort wieder ein, dass ich gerade eine Alkoholpause mache: “Ach ja, stimmt ja.” Ich darf sozusagen nicht. Wenn ich dürfte, würde ich. Sozusagen. Danach wird alles wieder normal?
Ich werde weiterhin die Reaktionen beobachten. Es sind noch 20 Tage bis zum ersten September.
Spontane Entscheidungen
just made a decision: no alcohol till 1st of september. is there a social life without alcohol?(ich, 4. August 2010, 12:02 pm, twitter)
Abstinenz. Kein Bier im Park, keinen Wein zum Essen, keine Longdrinks auf Parties. Wie reagieren meine Freunde und andere Menschen darauf? Wie reagiert mein Körper und meine Psyche? Haben wir uns schon so sehr an Alkohol gewöhnt, dass es fast nicht mehr ohne ihn geht? Und fällt uns das eigentlich überhaupt an uns selbst auf?
Gestern abend hatte ich meine erste Bewährungsprobe bei einer gemütlichen Geburtstagsfete mit guten Freunden. Zeitweilig war der Wunsch und die Lust auf ein kühles Bier oder einen Schluck Wein so groß, dass ich entweder etwas Nichtalkoholisches als Ersatz trinken oder eine Zigarette rauchen musste, um mich davon abzulenken. Je später der Abend, desto entspannter wurde ich allerdings.
Das Wochenende steht vor der Tür, da wartet sicher die nächste große Versuchung auf mich.
Es sind noch 27 Tage bis zum ersten September.

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